Pandemie in Remigen!

Mehr als hundert Jahre sind verstrichen, seit die Verheerungen einer länderübergreifenden Seuche auch unsere Region erschütterten.

Schon seit Jahrzehnten trafen aus ganz Europa und auch aus Nordafrika und Australien alarmierende Meldungen ein. Schlimmer noch: Unser westliches Nachbarland Frankreich war am heftigsten betroffen. Unzählige Existenzen wurden dort vernichtet, ganze Landstriche verwüstet. Und niemand wusste, was zu tun sei, wie man sich schützen konnte. Absperrungen nach Art von Quarantänen halfen nicht wirklich; die «Krankheit» hatte längst eine fatale Ausbreitung.

Ein Winzling verursacht die Katastrophe

Was war geschehen? – Die Reblaus, ein winziges, beflügeltes Insekt, war aus Amerika eingeschleppt worden. Dessen Eier setzen sich an den Wurzelstöcken der Reben fest und bringen die Pflanze zum Absterben. Fatalerweise lässt sich ein reblausverseuchtes Areal lange nicht als solches erkennen. Vom Zeitpunkt des Befalls bis zu ersten eindeutig feststellbaren Schädigungen können sechs Jahre, bis zum Absterben der Stöcke bis zu zehn Jahre vergehen. Dazu kommt die ungeheure Fruchtbarkeit der Reblaus; theoretisch kann ein einziges Tier während der Sommermonate viele Millionen Eier produzieren.

Ende des 19. Jahrhunderts erreichten pandemische Signale unsere Region. Zunächst trafen Schweizer Schadensmeldungen nur aus der Romandie ein, doch 1886 entdeckte man das Insekt in Bülach und damit in unmittelbarer Nähe zum Aargau. Den Rebbauern der Region Brugg schwante Schlimmes. 

Und tatsächlich: Am 26. Juni 1905 bestätigte der kantonale Rebbauexperte den Befall eines ausgedehnten Rebberges in der Remiger Beugehalde mit dem gefürchteten Schädling. Umgehend wurde das betroffene Gebiet gerodet. Die Rebstöcke wurden verbrannt, das Erdreich mit Petrol übergossen(!) und anschliessend mit grossen Mengen von Schwefelkohlenstoff desinfiziert. Dutzende von Arbeitern führten diese Massnahmen durch und untersuchten auch die angrenzenden Parzellen auf einen allfälligen Befall. Insgesamt erlitt die Gemeinde Remigen den Verlust einer Rebfläche von 34,5 Hektaren mit 664'010 Rebstöcken!

Sicherheit im Kampf gegen die Reblaus gewannen die Weinbauern erst mit dem Import von amerikanischen Unterlagen. Es war der im Bundesstaat Missouri lebende Brugger Bürger Hermann Jäger, der die Reblaus-Resistenz  entsprechender Rebsorten entdeckt hatte. Mit dem Export Tausender von Unterlagen rettete er die Existenz von unzähligen Weinbauern, vor allem in Frankreich.

Merkwürdigerweise blieb der Reblaus-Befall in der Region Brugg auf wenige Gemeinden beschränkt (Villigen, Mandach, Elfingen, Effingen und Bözen), und keine davon wurde auch nur annähernd so schwer heimgesucht wie Remigen. Dort erhielten die Betroffenen – schon damals! – Entschädigungszahlungen vom Bund, vom Kanton und von einem «Reblausfonds».

Positive Auswirkungen

Die Reblaus hat in Remigen gewaltige Verheerungen angerichtet. Aus zeitlicher Distanz lässt sich aber feststellen, dass sie im Zusammenhang mit verbesserten Anbau-, Pflege- und Produktionsmethoden Entwicklungen ausgelöst hat, deren Wert ausser Zweifel steht. 

Mit seinen 23 Hektaren Rebfläche ist Remigen heute die drittgrösste Rebbaugemeinde im Aargau. Die fünf Reblagen Beugehalde, Alpberg, Rüti, Horn und Boden/Rütiberg weisen je ein charakteristisches Mikroklima und eigene Bodenverhältnisse auf. Damit sind die Voraussetzungen für ein vielfältiges Weinangebot von weit überdurchschnittlicher Qualität vorhanden. Auf gepflegten Feldwegen lassen sich die Remiger Rebberge erkunden, zum Beispiel auf dem gleich hinter der Kirche beginnenden Reb- und Kulturweg.

Übrigens: In Remigen befindet sich auch einer der vier Römer-Rebberge unserer Region. Mehr über den Anbau und die Produktion des «Vindonissa-Wy» unter www.vindonissa-winzer.ch. (trb)

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