Vom «Toten Huhn» bietet sich ein weiter Ausblick über den Schinznacher Rebberg und den Ortskern von Schinznach-Dorf ins Aaretal und hinüber nach Schinznach-Bad, ins Birrfeld und bis zum Heitersberg. Koordinaten: 651 950 / 255 650
 

Picknicken - ein tolles Erlebnis

Jawohl, das gibt’s: Ein Dreijähriger hebt die Welt eines träge dahindösenden Picknickplatzes aus den Angeln. Nachhaltig! So geschehen in Schinznach-Dorf.

Als lebenskluge und einigermassen abgehärtete Erwachsene wissen Sie, wovon ich spreche: Die lieben Kleinen quengeln schon die ganze Woche, kommen sich gegenseitig in die Quere, entreissen sich genau jene Spielsachen, welche die andern nun unbedingt auch haben möchten, hängen plärrend an den Hosenbeinen von Vati und Mutti und zerren so gnadenlos und ausdauernd an deren Nerven. Die Luft im trauten Heim wird dick und dicker, die sanften Ermahnungen werden schneidender und prägnanter, und auch bilateral wird der elterliche Dialog zusehends kurzatmiger. Dabei ist erst Sonntagmorgen in der Früh, der Nachwuchs zwar schon seit fünf Uhr putzemunter, aber der Tag noch sooo lang!

Einmal mehr gebührt dem Papa der Lorbeerkranz für seine rettende Idee – logisch! Nur ein Gang ins Freie kann die innerfamiliären Mordgelüste noch auffangen und in allgemeines Wohlbefinden umwandeln. Für einen etwas ausgedehnteren Spaziergang lässt sich zwar niemand begeistern, aber ein Picknick, das wärs doch. «Wer ist dafür?» Begeistertes Geheul. Nur Mutti entfährt ein leichter Seufzer, denn die Vorbereitung von Speis und Trank überlässt ihr der Rest der Familie in gewohnt grosszügiger Manier. «Und bitte vergiss nicht Zündhölzer, Aromat, Trinkbecher und das Taschenmesser!» Papi setzt sich mit der Horde ab vors Haus, damit die Mama beim Arbeiten nicht gestört wird; das verdient Anerkennung, obwohl es halt schon etwas lange dauert, bis sich die Hausfrau mit all dem Kram endlich zum Rest der Familie gesellt. 

Picknicken zieht immer

Los geht’s zum Waldrand bei der Winterhalde. Dort bietet ein grosszügig angelegter Picknickplatz mit mehreren robusten Holzbänken reichlich Fläche für die Auslage sämtlicher Wolldecken, Cervelats, Gurken, Tomaten, Spielzeugautölis, Schüfeli und Kesseli und was sonst noch unabdingbar ist für derartige Expeditionen. Ab sofort mutieren die drei kleinen Nervensägen zu hochbegabten Aktivisten. Der Älteste klettert den Steilhang hinauf und rutscht auf dem Hosenboden wieder herunter, nicht ein-, sondern x Mal. Die kleine Mamsell haut das Schüfeli in den pickelharten Waldboden, nochmals und nochmals, bis das Grabwerkzeug übel zugerichtet und das Kesseli halb gefüllt ist mit irgendwas. Und die Nummer Drei, knapp dreijährig, macht sich selbständig, taucht ins Unterholz ab und ward vorläufig nicht mehr gesehen.

Was tut er dort nur? Drückt ihn die Blase schon? Oder ist er irgendwo im Buschwerk hängen geblieben? Nein, das kann nicht sein; sein Organ ist derart kräftig ausgebildet, dass er auch auf weiteste Distanz unmöglich zu überhören ist. Aha, da tut sich was. Der Knirps kämpft sich einhändig durch das Gestrüpp ins Freie, denn in seiner Linken präsentiert er  – ein totes Huhn! «Ums Himmels Willen! Ein totes Huhn! Wo hast du das her?» – Was soll denn daran so ungewöhnlich sein? Der Knirps antwortet lapidar: «Da hinten gefunden.» Papi sieht sich genötigt, dem entseelten Federvieh Schwung für seinen wohl letzten Flug zu verleihen und es im höchsten Bogen ins Dickicht zurückzuschicken, es derart wieder dem ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen zu überlassen.

Ohne Witz!

Aber ab sofort hatte der Picknickplatz oberhalb von Schinznach-Dorf seinen Namen ab; wir nannten ihn fortan «das tote Huhn». Umwerfend originell und zum Totlachen, nicht wahr? Tatsächlich sorgte der Satz «Komm, wir gehen wieder zum toten Huhn!» anfänglich für einige Heiterkeit. Doch mit der Zeit bürgerte sich die neue Bezeichnung ein; sie wurde zur Selbstverständlichkeit. Nach und nach erfuhr sie sogar eine gewisse Verbreitung, denn Geburtstagsfestchen, Erst-August-, Sommerabend- und sogar Silvesterpicknicks fanden öfters zusammen mit Freunden beim «toten Huhn» statt, obwohl dieses schon längst auf dem Weg ins Nirvana war.

Wir staunten nicht schlecht, als wir die Bezeichnung erstmals von einem Kollegen unserer Kinder hörten: «Darf ich wieder einmal mitkommen, wenn Sie zum toten Huhn gehen?» Der Begriff bürgerte sich definitiv ein; auch Erwachsene begannen ihn zu benützen statt des offiziellen Flurnamens «Winterhalde». Dies sollte uns aber nicht dazu verführen, dem Boden der Realitäten zu entschweben. Wir wollen uns nicht einbilden, dass das «tote Huhn» als Flurbezeichnung Eingang in den Ortsplan findet, nein, nein!

Kreative Archäologen

Obwohl – warum eigentlich nicht?

Nehmen wir doch mal an, dass in der nächsten Ausgabe der Landeskarte am Waldrand dort oben nicht etwa «Winterhalde», sondern «Totes Huhn» steht. Und dass sich niemand bemüssigt fühlt, dagegen zu protestieren, und die Örtlichkeit so in jeder Neuauflage der Landeskarte wieder als «Totes Huhn» figuriert. Kein Mensch weiss mehr, wie dieser Name zustande kam; niemand kann etwas Verlässliches über dessen Herkunft aussagen. Doch irgendwann in etwa 500 Jahren vermutet die Kantonsarchäologie dahinter einen versteckten Hinweis zu erkennen über hier verstorbene und beerdigte – na, was nur? – natürlich! Hunnen! Tote Hunnen, das liegt doch auf der Hand!

Das Gebiet wird grossräumig abgesperrt, der Picknickplatz vorübergehend aufgehoben, und die Grabungsteams machen sich an die Arbeit. Und wer weiss? Vielleicht stossen sie tatsächlich auf eine Nekropole von versprengten Hunnen, die sich im Spätmittelalter in unsere Gegend verirrt und gefunden hatten, dass hier oben eigentlich ein wunderschöner Platz eingerichtet werden könnte. – Womit sie Recht behielten.

 

Die schönsten Picknick-Plätze für Familien

Aarewehr, Auenstein

Super Picknickplatz gleich oberhalb des Aarewehrs. Zufahrtsmöglichkeit bis auf wenige hundert Meter, zwar keine Tische, aber sonst perfekte Installationen, viel Platz und richtig «chillige» Umgebung.

Koordinaten: 650 900 / 251 500

Ampfern, Mönthal

Besonders schön eingerichteter Picknickplatz mit allem Komfort. Der Ort ist windgeschützt und bietet sich dank der nahen Waldhütte auch bei zweifelhaftem Wetter an. Zufahrt möglich. Parkplatz vorhanden.

Koordinaten: 651 600 / 263 350

Besserstein, Villigen

Makellos eingerichteter Picknickplatz mit wunderschöner Aussicht ins untere Aaretal und den Forschungsstandort Villigen. Gern ruft man sich hier die Sage von der verruchten Burg Besserstein in Erinnerung.

Koordinaten: 658 225 / 264 025

Bruderhöhle, Effingen

Ein toll eingerichteter Platz für abenteuerlustige Kids jeglichen Alters. Wer möchte da nicht mal Höhlenforscher spielen und sich auf die Suche nach Überresten von Dinosauriern und Neandertalern machen!

Koordinaten: 649 950 / 259 175

Buchmatt, Thalheim

Sehr einfach eingerichtete Feuerstelle an wunderschöner Stelle. Bei klarem Wetter freie Sicht bis in die Alpen, im Vordergrund über die Ruine Schenkenberg. Die Zufahrt ist bis nahe an den Platz möglich.

Koordinaten: 650 050 / 256 125

Reussufer, Mülligen

Kein Komfort – kein Grill, kein Tisch, kaum Sitzgelegenheiten, Zugang nur zu Fuss möglich, aber ein wunderbarer Platz: Die Kraft und das Leben des Flusses in unmittelbarer Nähe. Aber Vorsicht mit Kleinkindern!

Koordinaten: 659 925 / 256 725

Sagemülital, Bözberg

Der Platz liegt am Rand eines lichten Föhrenwäldchens im Naturschutzgebiet. Er bietet keinen Komfort. Das nahe Bächlein, ein Teich im abgelassenen Steinbruch und ein Wasserfall sind aber starke Argumente.

Koordinaten: 651 075 / 258 650

Rütifels, Villigen

Einfacher, aber gut eingerichteter und gepflegter Picknickplatz auf dem Villiger Geissberg. Besonders bei klaren Witterungsverhältnissen grandiose Aussicht. Mit etwas Glück trifft man hier Gämsen an.

Koordinaten: 656 150 / 264 150

Waldhütte, Bözen

Picknickplatz der Extraklasse. Alles ist vorhanden: Tische, Bänke, Grill über einer tadellosen Feuerstelle, Kehrichtkübel und dazu eine wunderbare Aussicht ins obere Fricktal. Zufahrt mit Auto möglich.

Koordinaten: 648 025 / 261 800

Zeiher Homberg, Thalheim

Gute Sitzgelegenheiten, sonst bescheidene Einrichtung, aber bei schönem Wetter eine grandiose Aussicht übers obere Fricktal bis in den Schwarzwald. Infotafeln mit geografischen und historischen Hinweisen.

Koordinaten: 649 400 / 256 550

Lindhof, Windisch

Grosszügig eingerichteter Picknickplatz unter schattenspendenden alten Bäumen beim Reservoir Chapf, unweit des Lindhofs, Gemeinde Windisch. Tolle Aussicht nordwärts. Tadellose Infrastruktur.

Koordinaten: 659 100 / 257 900

 

 

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Kommentar von Anita |

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