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Veranstaltungsdetails

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Begleiteter Abendspaziergang

Am in Schinznach Dorf - Totes Huhn

Organisation: Tourismus Region Brugg

Die Wanderung führt uns nach Schinznach-Dorf

Treffpunkt: 16.00 Uhr bei der Bushaltestelle Oberdorf

Dauer: ca. 1 3/4 Stunden

Wanderleiter: Peter Belart

Jawohl, das gibt’s: Ein Dreijähriger hebt die Welt eines träge dahindösenden Picknickplatzes aus den Angeln. Nachhaltig! So geschehen in Schinznach-Dorf.

Als lebenskluge und einigermassen abgehärtete Erwachsene wissen Sie, wovon ich spreche: Die lieben Kleinen quengeln schon die ganze Woche, kommen sich gegenseitig in die Quere, entreissen sich genau jene Spielsachen, welche die andern nun unbedingt auch haben möchten, hängen plärrend an den Hosenbeinen von Vati und Mutti und zerren so gnadenlos und ausdauernd an deren Nerven. Die Luft im trauten Heim wird dick und dicker, die sanften Ermahnungen werden schneidender und prägnanter, und auch bilateral wird der elterliche Dialog zusehends kurzatmiger. Dabei ist erst Sonntagmorgen in der Früh, der Nachwuchs zwar schon seit fünf Uhr putzemunter, aber der Tag noch sooo lang!

Einmal mehr gebührt dem Papa der Lorbeerkranz für seine rettende Idee – logisch! Nur ein Gang ins Freie kann die innerfamiliären Mordgelüste noch auffangen und in allgemeines Wohlbefinden umwandeln. Für einen etwas ausgedehnteren Spaziergang lässt sich zwar niemand begeistern, aber ein Picknick, das wärs doch. «Wer ist dafür?» Begeistertes Geheul. Nur Mutti entfährt ein leichter Seufzer, denn die Vorbereitung von Speis und Trank überlässt ihr der Rest der Familie in gewohnt grosszügiger Manier. «Und bitte vergiss nicht Zündhölzer, Aromat, Trinkbecher und das Taschenmesser!» Papi setzt sich mit der Horde ab vors Haus, damit die Mama beim Arbeiten nicht gestört wird; das verdient Anerkennung, obwohl es halt schon etwas lange dauert, bis sich die Hausfrau mit all dem Kram endlich zum Rest der Familie gesellt. 

Picknicken zieht immer

Los geht’s zum Waldrand bei der Winterhalde. Dort bietet ein grosszügig angelegter Picknickplatz mit mehreren robusten Holzbänken reichlich Fläche für die Auslage sämtlicher Wolldecken, Cervelats, Gurken, Tomaten, Spielzeugautölis, Schüfeli und Kesseli und was sonst noch unabdingbar ist für derartige Expeditionen. Ab sofort mutieren die drei kleinen Nervensägen zu hochbegabten Aktivisten. Der Älteste klettert den Steilhang hinauf und rutscht auf dem Hosenboden wieder herunter, nicht ein-, sondern x Mal. Die kleine Mamsell haut das Schüfeli in den pickelharten Waldboden, nochmals und nochmals, bis das Grabwerkzeug übel zugerichtet und das Kesseli halb gefüllt ist mit irgendwas. Und die Nummer Drei, knapp dreijährig, macht sich selbständig, taucht ins Unterholz ab und ward vorläufig nicht mehr gesehen.

Was tut er dort nur? Drückt ihn die Blase schon? Oder ist er irgendwo im Buschwerk hängen geblieben? Nein, das kann nicht sein; sein Organ ist derart kräftig ausgebildet, dass er auch auf weiteste Distanz unmöglich zu überhören ist. Aha, da tut sich was. Der Knirps kämpft sich einhändig durch das Gestrüpp ins Freie, denn in seiner Linken präsentiert er  – ein totes Huhn! «Ums Himmels Willen! Ein totes Huhn! Wo hast du das her?» – Was soll denn daran so ungewöhnlich sein? Der Knirps antwortet lapidar: «Da hinten gefunden.» Papi sieht sich genötigt, dem entseelten Federvieh Schwung für seinen wohl letzten Flug zu verleihen und es im höchsten Bogen ins Dickicht zurückzuschicken, es derart wieder dem ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen zu überlassen.

Ohne Witz!

Aber ab sofort hatte der Picknickplatz oberhalb von Schinznach-Dorf seinen Namen ab; wir nannten ihn fortan «das tote Huhn». Umwerfend originell und zum Totlachen, nicht wahr? Tatsächlich sorgte der Satz «Komm, wir gehen wieder zum toten Huhn!» anfänglich für einige Heiterkeit. Doch mit der Zeit bürgerte sich die neue Bezeichnung ein; sie wurde zur Selbstverständlichkeit. Nach und nach erfuhr sie sogar eine gewisse Verbreitung, denn Geburtstagsfestchen, Erst-August-, Sommerabend- und sogar Silvesterpicknicks fanden öfters zusammen mit Freunden beim «toten Huhn» statt, obwohl dieses schon längst auf dem Weg ins Nirvana war.

Wir staunten nicht schlecht, als wir die Bezeichnung erstmals von einem Kollegen unserer Kinder hörten: «Darf ich wieder einmal mitkommen, wenn Sie zum toten Huhn gehen?» Der Begriff bürgerte sich definitiv ein; auch Erwachsene begannen ihn zu benützen statt des offiziellen Flurnamens «Winterhalde». Dies sollte uns aber nicht dazu verführen, dem Boden der Realitäten zu entschweben. Wir wollen uns nicht einbilden, dass das «tote Huhn» als Flurbezeichnung Eingang in den Ortsplan findet, nein, nein!

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